Lexikon Polterabend
Schon zu vorchristlichen Zeiten wollte man mit dem Poltern, dem Zerschlagen von Geschirr, die bösen Geister abschrecken. Durch das Zerbrechen von Porzellan wünscht man dem Brautpaar das Gelingen der Ehe. Bei den Germanen dann hatte das Vertreiben der Geister, die dem jungen Brautpaar sein Glück mißgönnten, Hochkonjunktur: mit Waffengeklirr, dem Zerschlagen von Trinkgefäßen und mit häßlichen Gesichtsmasken, die die Gäste trugen, wurden die bösen Geister in die Flucht geschlagen. Wie der Glaube an die Geister ist auch die Sitte, den Polterabend auf den Abend vor der Hochzeit zu legen, weitgehend verschwunden. Es macht nämlich wenig Sinn, am Abend vor der Hochzeit gross zu feiern und den wichtigsten Tag seinem Lebens müde und „verkatert“ zu verbringen.Es gibt aber auch Definitionen, die für einen Polterabend einen heidnischen Brauch verantwortlich machen. Den Göttern wurden Opfergaben auf Tonscherben dargebracht, die im Anschluss zerbrochen wurden.
Eventuell steckt aber auch etwas ganz anderes hinter diesem Brauch. Junggesellen, die die Braut vielleicht auch gerne abbekommen hätte, haben durch eine Polterabend die Möglichkeit, sozialverträglich „Dampf ablassen“ zu können, wodurch der Dorffrieden erhalten bleibt.
Ein Polterabend findet meist im bzw. vor dem Haus der Braut bzw. der Brauteltern, den Donnerstag oder Freitag vor der Hochzeit, statt. Dem Brautpaar wird es gestattet, sich um Mitternacht von der Feier zurückzuziehen, um am Tag der Hochzeit frisch und munter zu sein. Denn so mancher Polterabend geht deftiger zu als die eigentlichen Feierlichkeiten zur Hochzeit.
Traditionell wird zum Polterabend nicht eingeladen. Wer aber einen weit verstreuten Bekannten- und Freundeskreis hat, kommt nicht umhin, seine Gäste in lockerer Form einzuladen. Arbeitskollegen, Vereinskameraden oder Nachbarn zum Beispiel können an diesem Tag zusammen mit dem Brautpaar feiern. Ein Polterabend ist aber auch eine hervorragend Gelegenheit, viele Personen, die zur Hochzeit selbst nicht mehr mit eingeladen werden können, am gemeinsamen Glück teilhaben zu lassen. Daher sorgt das Brautpaar auch für eine angemessene Verköstigung.
Bei kaum einem anderen Fest haben sich die Gäste schon so viele vermeintlich lustige Späße einfallen lassen wie bei Polterabend. Ob kiloweise Konfetti im Garten verstreut wurde, Tausende von Kronkorken im Garten verteilt, meterlange Tolilettenpapierbahnen ums Gebüsch gewickelt wurden. Manch Brautpaar war noch stunden-, wenn nicht gar tagelang mit den Aufräumarbeiten beschäftigt.
Gepoltert werden darf und soll nur mit Geschirr aus Steingut oder Porzellan. Glas ist tabu, denn es steht für Glück, und das soll ja gerade nicht zerbrechen. Das Paar muss unbedingt gemeinsam die Scherben aufkehren, dann werden die beiden auch in schlechten Zeiten zusammenhalten. Und: je mehr Scherben das Paar aufzukehren hat, desto besser wird die Ehe funktionieren, heißt es. Durch dieses gemeinsame Zusammenkehren sollten das Brautpaar darauf aufmerksam gemacht werden, das in der Zukunft auch schwierige Lebenslagen gemeinsam gemeistert werden müßen. Achtung: manche Gäste nehmen das nur allzu gerne wörtlich und kippen den Abfallcontainer mit den mühsam von Ihnen zusammengekehrten Scherben wieder um. Man sollte den Container also gut im Auge behalten oder noch besser einen abschließbaren Containerbesorgen. Einen solchen bekommt man bei einem Müllentsorgungsunternehmen.
Wer nicht zu Hause feiern möchte oder aus Platzgründen nicht kann, sollte unbedingt ein Schild an Ihre Tür machen, wo die Feier statt findet. Dann haben auch uneingeladene Gäste die Möglichkeit dabei zu sein.
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